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Ordensschwestern verlassen Maria Helferin: Abschied nach 99 Jahren
Veröffentlicht von Hartwig Janßen am 22.02.2010
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Von Eberhard Lange

Leuth. An diesem Sonntag, 28. Februar 2010, 14 Uhr, verabschieden die katholischen Pfarrgemeinden St. Lambertus Leuth und St. Clemens Kaldenkirchen sich von den Ordensschwestern in Maria Helferin. Um 14 Uhr ist in der Hauskapelle von Maria Helferin am alten Grenzübergang Schwanenhaus ein Gottesdienst den Pfarrer i.R. Lothar Erens, der langjährige Hausgeistliche, und Pfarrer Benedikt Schnitzler (Kaldenkirchen/Leuth) konzelebrieren werden. Anschließend mist in Maria Helferin ein Abschiedsempfang. Alle Mitbürger sind eingeladen. Besondere Einladungen wurden an niemanden verschickt. Allerdings wurde in den letzten Wochen während der Gottesdienste in Kaldenkirchen und Leuth mündlich eingeladen.

Haus Maria Helferin
Haus Maria Helferin

99 Jahre wirkten die Schwestern der Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau ((Soeurs de Notre Dame - SND) an der Grenze (siehe Geschichtliche Übersicht). Die letzten drei Ordensfrauen sind Sr. Theresia (die 88jährige war 38 Jahre in Maria Helferin). Sr. Engelinda (de 72jährige war 28 Jahre in Maria Helferin) und Sr. Adelheide (die 78jähriuge wirkte 18 Jahre in Maria Helferin und in Leuth, Die Schwestern Theresia und Engelinda waren als Gruppenleiterinnen tätig, während Sr. Adelheide, die ausgebildete  Erzieherin als Hauschwester der gute Geist des Hauses war und die Kontakte zur Pfarrgemeinde Leuth, zu der Maria Helferin gehört, pflegte. So war sie seit 1993 im Pfarrgemeinderat und im Kirchenchor Leuth aktiv. Die Ordensschwestern waren rund um die Uhr parat. Sie waren als Pfortenschwestern auch das Gesicht des Hauses. In den letzten sechs Jahren kümmerte sie sich um die Kapelle, sorgte für deren Schmuck  und vor allem dafür, dass vor Beginn der Gottesdienstes alles am richtigen Platz war.

Kein Nachwuchs
Warum verlassen die Ordensschwestern Maria Helferin? Sr. M. Prudentia (89), von 1967 bis 1976  Hausoberin in Maria Helferin und danach als Ökonomin in Kloster Mülhausen für die wirtschaftliche Führung der Ordensprovinz verantwortlich: „Wie überall in den Orden fehlt auch unserem Orden der Nachwuchs. Als Alters –und Gesundheitsgründen können unsere Schwestern die Aufgabe nicht mehr leisten.“ Sr. Theresia (88) und Schwester Engelinda (72) sind aus alters –und Gesundheitsgründen schon seit einiger Zeit im Altenheim der Ordensschwestern in Mülhausen. Schwester Adelheide blieb in Maria Helferin. In den letzten Tagen räumte sie gemeinsam mit Sr. M. Prudentia die Schwesternwohnung aus. „Die Möbel gehören zum Haus, sie bleiben in der Wohnung. Dennoch galt es zu sichten. Ein gewaltiges Stück Arbeiten..“ vieles Liebgewonnene, manches was man Jahre nicht mehr gesehen, nicht mehr angefasst hatte, weckte Erinnerungen. Es galt die schwere Aufgabe zu meistern. Mut zum aussortieren, zum wegwerfen.

Schwester Adelheide geht noch nicht in den Ruhestand,. In Buren im Sauerland, wo der Orden ein Gymnasium mit Internat hat, wartet auf die ausgebildete Erzieherin eine neue Aufgabe als guter Geist und Betreuerin des Internats.

Ordensschwestern haben tiefe Spuren hinterlassen
Sr. M. Prudentia erinnert daran, dass 1967, als sie die Leitung des Klosters und des Hauses Maria Helferin für 9,5 Jahre übernahm, noch 24 Schwestern in Maria Helferin wirkten. „Die Aufgaben des Hauses haben gewechselt.“ Erinnert sie. 1911 wurde direkt gegenüber jenseits der Grenze das erste Kloster „Maria Helferin“ (später zwecks Unterscheidbarkeit Maria Auxiliatrix) als höhere Mädchenschule gegründet. Auf kaiserliche Anordnung wurde 1915 auf deutscher Seite „Maria Helferin“ gebaut und eröffnet. Die Nationalsozialisten verboten die Schule, so dass während des Krieges ein Erholungsheim für Frauen eingerichtet wurde.

Gesunde Luft an der Grenze
1945 wurde das Haus Lungenheilstätte. Sr. M. Prudentia: 2Mehr als achttausend Kinder waren in diesem Jahren für mindestens drei Wochen hier zur Hei8klung. Die medizinische Betreuung lag bei Chefarzt Dr. Krause und Frau Dr. Josten. Ende 1969 galt die TBC als ausgerottet. Als Lungenheilstätte wurde Maria Helferin geschlossen. Als Psychiatrisches Kinderkrankenhaus übernahm das Haus mit den Schwestern eine neue Aufgabe, die sich im Rahmen der Enthospitalisie4rung wandelte. 1995 übernahm der Deutsche Orden die Trägerschaft. Bis zum 28. Februar 2010 blieben drei Ordensschwestern in Maria Helferin.

Maria Helferin
78 Arbeitsplätze, 75 Bewohner/Innen im Kinder-, Jugend-, und Erwachsenenbereich. Zum Haus gehören 4 interne Wohngruppen und 2 Außenbereiche  mit insgesamt 35 Plätzen (Lobberich 12, Kaldenkirchen 23). Maria Helferin hat 78 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau (Soeurs de Notre Dame - SND)
Julie Billiart gründete 1804 in einem kleinen Dorf in der Picardie/Frankreich den Schwesternorden. Dabei ging es ihr  vor allem um die religiöse Erziehung und Bildung armer Mädchen. Über die Niederlande kam die Idee nach Deutschland. 1849 wurde in Coesfeld (heute wieder Sitz der deutschen Ordensprov9inz) das erste Kloster gegründet. Schon 1950 wurde das Kloster Mülhausen gegründet, dass wegen des preußischen Kulturkampfes später bis 1886 geschlossen wurde. 1911 gründete „Mülhausen“ das Kloster Maria Helferin auf niederländischer Seite des Grenzübergangs Schwanenhaus. In der deutschen Ordensprovinz sind heute 369 Schwestern. 85 in Mülhausen (55 im Altenheim der Schwestern in Mülhausen). Weltweit hat der Orden mehr als zweitausend Schwestern.

Zuletzt geändert am: 22.02.2010 um 12:38

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